Barcode im Gewächshaus

Wie bereits im Bericht über Etiketten geschildert setzen wir seit vielen Jahren einen Barcode auf unseren Etiketten ein. Viele werden sich fragen wofür das ganze denn gut ist? Spielerei, Spinnerei oder steckt vielleicht doch einen tieferer Sinn dahinter? Wahrscheinlich von allem etwas. Grundsätzlich kann man uns schon in die Kategorie „Daten-Junkie“ einordnen. So wird in unserer Pflanzenverwaltung nicht nur der Name der Pflanze, die Herkunft und ein paar andere Daten verwaltet. Auch der Zeitpunkt der jährlichen Blüte, die Blütenfarbe, kurze Zusatzbeschreibungen und die Häufigkeit des Umtopfens werden registriert.

Um den Zeitaufwand für die Erhebung dieser Daten nun so gering wie möglich zu halten, gibt es verschiedene Möglichkeiten. Alternative 1: ein PC im Gewächshaus: unpraktisch, kein Platz, Witterungsbedingung nicht „ideal“, also nicht umsetzbar. Alternative 2: ein Notebook mit ins Gewächshaus nehmen: praktisch, mobil, aber damit durch das Gewächshaus zu rennen und mit schmutzigen Händen irgendwelche Sachen eintippen macht auch nicht wirklich Spaß. Zugegeben, wenn wir immer zu zweit wären, sicherlich eine Variante die man auch dauerhaft nutzen kann. Was aber wenn man schnell mal alleine was machen will? Alles aufschreiben und später eintippen ist zu zeitaufwendig und fehleranfällig. Was lag näher als sich einer Methode zu bedienen, die in der Logistik schon seit ewigen Zeiten Standard ist: Mobile Barcodeterminals.

Jeder der schon von DHL oder einem anderen Paketdienst eine Sendung erhalten hat kennt die kleinen und handlichen Terminals die meist für eine Unterschrift und das nachfolgende Track & Trace verwendet werden. Natürlich sind die Geräte extrem teuer, weil sie robust und für extreme Umgebungsbedingungen ausgelegt sind. Durch Glück konnten wir aus einer Konkursmasse ein entsprechendes Gerät für einen Spotpreis ersteigern, samt Ersatzakkus und Dokumentation, ausgestattet wie gewünscht mit einer WLAN Schnittstelle. Was wir vorher leider nicht ausreichend beleuchtet haben, war die Tatsache, dass die Geräte mit einem speziellen mobilen Windows Betriebssystem ausgeliefert werden, die ein Aufspielen unserer Datenbank nicht ermöglichten. Somit war es nicht machbar die Daten einfach auf das Gerät zu spielen und danach via WLAN wieder zurück auf den PC. Es musste also eine Schnittstelle her. Leider scheiterte auch diese Variante, da anscheinend kein Mensch sowas hat oder braucht und alle nur mit direktem Datenaustausch arbeiten und auf beiden Systemen die gleiche Profi-Software installiert haben. Für Kakteen gab es natürlich sowas nicht und wenn wäre es unbezahlbar gewesen. Nach wochenlangen Recherchen entschieden wir uns schließlich auch für das Terminal eine eigene Anwendung zu schreiben. Die dafür erforderliche Programmiersprache wurde im Selbststudium erlernt und schon wenige Wochen später ging die erste Beta-Testversion in Betrieb. Neben ein paar Anfangsschwierigkeiten mit der WLAN Verfügbarkeit, vorhandenen Sicherheitszertifikaten auf dem Gerät und kleineren Problemen im Handling hat sich aber inzwischen daraus eine stabile Anwendung entwickelt. Mittels iDocs (kleine standardisierte Textfiles) tauschen das Barcodeterminal und der im Wohnhaus laufende Server über das WLAN via Netzlaufwerke die Daten aus. So wird zum Beispiel beim Scannen der Pflanze lediglich die Pflanzennummer übermittelt und mit einem Steuercode die Art der angeforderten Daten klassifiziert. Der Datenbankserver prüft nun im Bruchteil einer Sekunde das Vorhandensein von neuen Anfragen, extrahiert die Daten aus der Datenbank und stellt dem Barcodeterminal ebenso strukturiert die Informationen im iDoc bereit. Über das Display im Terminal werden nun alle Daten entsprechend dargestellt. Mittels dieser Systematik können wir derzeit

  • Den Tag der Blüte einer Pflanze erfassen (wurde die schon einmal im laufenden Jahr registriert erfolgt kein Update der bisherigen Information)
  • Die Farbe der Blüte erfasst werden (Aufforderung erfolgt über Terminal wenn Blütenfarbe in der Datenbank noch nicht gepflegt wurde)
  • Das Umtopfen registriert werden (Scann der Pflanzennummer und der verwendeten Größe des Topfes) ohne sich jedes Mal die Hände waschen zu müssen
  • Pflanzen umgezogen werden (nicht lachen, aber in der Datenbank steht auch auf welchem Tisch oder in welchem Gewächshaus oder Frühbeet die Pflanze sich im Sommer und Winter befindet)
  • Pflanzenbeschreibung ergänzen und pflegen
  • Daten zu gleichartigen Pflanzen abgerufen werden (gleiche Herkunft, gleiche Art, gleiche Blütenfarbe, …)

Alles in allem war es ein relativ großer Einmalaufwand das System so aufzusetzen wie wir uns das vorgestellt hatten. Die Zeitersparnis bei der späteren Erfassung hat sicher jedoch inzwischen mehr als amortisiert. Wir können uns als daher heute als zufriedene „Daten-Junkies“ bezeichnen und uns weiterhin auch ausreichend um unsere Pflanzen kümmern.

Das Barcodeterminal

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Beispiel einer Auswertung von Blühzeitpunkten fünf Pflanzen gleicher Herkunft

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