Archiv des Monats “März 2013

Big Bend National Park, Texas, Teil 1 – Einführung

Als einer der größten Nationalparks in den USA liegt der Big Bend National Park im Süden von Texas direkt an der Grenze zu Mexico. Mit einer Fläche von über 3200 Quadratkilometern umfasst der Park auch einen großen Teil der Chihuahua-Wüste. Das Klima dieser Region ist geprägt von hohen Temperaturen im späten Frühjahr und in den Sommermonaten, relativ milden Wintermonaten und einer Regenzeit von Juli bis September. Auch hier hat sich jedoch in den vergangenen Jahren die Häufigkeit und Menge von Niederschlägen drastisch reduziert. Wir besuchten in den letzten 7 Jahren immer wieder diese faszinierende Region und mussten leider Jahr für Jahr eine weiter ausdürrende Landschaft antreffen. Die wüstenartige Vegetation mit Büschen, Yuccas und zahlreichen Kakteen prägt die Landschaft und wird durch eine Vielzahl von Tierarten bereichert. Auch für Wanderer bestehen auf vielen Trails die Möglichkeiten ausgedehnte Touren in Höhenlagen von 500 bis 2300 m zu unternehmen und so abwechslungsreich die Landschaft in flachen Ebenen oder im Gebirge der Chisos Mountains zu erkunden. Vor der „Entdeckung“ durch Europäer wurde die Region durch verschiedene Indianerstämme besiedelt. Der markante Gebirgszug (Chisos Mountains) im Zentrum des Parks trägt noch heute den Namen einer dieser Stämme, der Chisos-Indianer. Beginnend ab 1930 wurde schrittweise begonnen einzelne Regionen unter Schutz zu stellen, was schließlich 1994 in einen US National Park überging. Wer sich als Besucher dort längere Zeit aufhalten will kann das einzige vorhandene Hotel, die Chisos Mountain Lodge, als Übernachtungsmöglichkeit planen oder sich auf Zelt- und Campingplätzen niederlassen. Die Chance auf freie Zimmer erfordert jedoch besonders im Frühling eine monatelange Buchung im Voraus. Um den Reiseverlauf flexibel anpassen zu können bevorzugten wir jedoch immer eine Übernachtung in den Park angrenzenden kleinen Orten oder in Alpine. Dies bedingt zwar eine längere An- und Abreise pro Tag, was aber ohne Probleme in die frühen Morgenstunden oder auf den späten Abend gelegt werden kann.

BigBendallg3 BigBendallg2 BigBendallg1

Im zweiten Teil werden wir über Echinocereus dasyacanthus berichten

Klimaverhältnisse an Standorten von Echinocereus dasyacanthus rund um Ft. Stockton in Texas

Welcher Kakteenfreund ist nicht daran interessiert mehr über die natürlichen Standorte seiner Lieblinge zu erfahren? Wohl keiner. Wir beschäftigen uns mittlerweile auch seit Jahren mit den klimatischen Verhältnissen und sammeln hierzu von verschiedenen Wetterdiensten Datenmaterial. So nutzen wir z.B. Radarbilder (Download alle 15 Minuten, rund um die Uhr), Informationen über Temperaturen und Niederschläge (Stündlich) und viele weitere nützliche Informationen als Basis für unsere Untersuchungen. Weit über 1 Million Grafiken haben sich in den letzten Jahren auf unserem Server angesammelt, ergänzt um mehrere Millionen Datensätzen direkt aus verschiedenen Wetterstationen vor Ort. In unseren Veröffentlichung haben wir regelmäßig darüber berichtet.

Am Beispiel von Ft. Stockton im texanischen Pecos County möchten wir heute mal ein paar Auswertungen exemplarisch vorstellen.

Minimale und Maximale Temperaturen

Viele rätseln über eine vermeintliche Winterhärte von verschiedenen Pflanzen. Über eine Auswertung der Temperaturverhältnisse vor Ort lassen sich zumindest erste Rückschlüsse darüber ziehen. Natürlich ist auch klar, dass die vorherrschenden Temperaturen in der heimischen Kultur durchaus unterschritten werden können, trotzdem ist eine dauerhafte und gesunde Haltung bei unseren Temperaturverhältnissen in Europa sicher nicht ratsam. Am Beispiel des Jahres 2012 wurden in Ft. Stockton eine maximale Temperatur von 41 Grad sowie eine Tiefsttemperatur von -7 Grad gemessen.

ftstockton min max

Temperaturdifferenz

Ebenso von Interesse sind die täglichen Schwankungen zwischen minimal und maximal erreichter Temperatur. Gerade bei Minustemperaturen zeigt sich in Ft. Stockton klar, dass Dauerfröste relativ selten sind. Trotzdem sind Temperaturdifferenzen über einen Tag hinweg von bis zu 25 Grad möglich.

ftstockton tempdiff

Niederschläge

Ein immer wieder heißes Thema. Sollen wir unseren Pflanzen im Gewächshaus mit den gleichen Wassergaben wie an Ihren natürlichen Standorten versorgen? Aus unserer Sicht ein klares Nein. Zum einen wollen wir ja nicht die leider relativ harten klimatischen Bedingungen eins zu eins nachfahren, zum anderen freuen wir uns sicherlich mehr an gesunden aber noch natürlich aussehenden Pflanzen. In 2012 konnten beispielsweise lediglich 386 mm an Niederschlägen gemessen werden.

ftstockton niederschlag

Luftfeuchtigkeit

Minimale Werte weit unter 10% Luftfeuchtigkeit sind keine Seltenheit. Selbst Tagehöchstwerte bleiben oft unter 50%.

ftstockton luftfeuchte

Woher kommt das Wetter?

Bei einer Auswertung von knapp 150.000 Datensätzen von 1997 bis 2012 kann man für die Region um Ft. Stockton eindeutig eine Häufung der Winde aus südlicher Richtung feststellen. In knapp 50% der Fälle wurden südliche, südöstliche, süd-südöstliche, süd-südwestliche und südwestliche Windströmungen erfasst. Nicht messbare Winde waren nur in 4% der Fälle aufgetreten. Die Aufteilung auf die anderen Himmelsrichtungen verteilt sich relativ gleichmäßig.

ftstockton windrichtung

Ein sicherlich spannendes Thema, das zwar zeitaufwendig ist aber umso aufschlussreichere Ergebnisse bringt.

Welches Substrat ist das Richtige für Echinocereen

Wir erhalten immer wieder Anfragen über das ideale Substrat für Echinocereen. Leider ist auch hier eine pauschale Antwort nicht möglich. Grundsätzlich hängt dies von den eignen Kulturbedingungen ab, also ob die Pflanzen in einem Gewächshaus, im Frühbeet, im Freien oder auf der Fensterbank gepflegt werden, aber auch von der Frequenz der Wassergaben. Abgeleitet aus den Bedingungen an den natürlichen Standorten, kann man jedoch davon ausgehen, dass z.B. ein hohes Maß an Wasserdurchlässigkeit in unseren Breitengraden eine sehr wichtige Rolle spielt. Natürlich spielen pH Wert und Körnung des Substrats ebenso eine wichtige Rolle. Wir haben uns von einer Vielzahl von verschiedenen Mischungen für unsere Echinocereen inzwischen verabschiedet und setzen für alle Kakteen das gleiche Substrat ein:

50% Granitgrus mit leicht lehmigen Bestandteilen
20% Kieselgur in feiner Körnung
20% Vermiculit in feiner Körnung
10% kleine Blähtonkugeln und Löss

Der damit erreichte pH-Wert liegt in der Regel zwischen 5 und 6. Auf humose Bestandteile haben wir in der Kultur komplett verzichtet. Lediglich bei den Aussaaten mischen wir noch geringe Bestandteile bei. Um den Nährstoffhaushalt entsprechend zu gewährleisten erfordert diese rein mineralische Erde natürlich die regelmäßige Gabe von Dünger. In unserem Fall wird in der Wachstumsphase jeder Wassergabe eine mittlere Düngerdosis beigegeben. Trotz dieser scheinbar hoch dosierten Düngung erzielen wir damit einen natürlichen und gesunden Wuchs.

Kieselgur und Vermiculite erhalten Sie bei Kakteen Schwarz.

 

Echinocereus engelmannii, Anza-Borrego Desert State Park, California

Vor jedem Besuch eines Standorts frägt man sich ob man die gewünschten Pflanzen wohl in Blüte antreffen wird. Der exakte Zeitpunkt lässt sich jedoch nie eindeutig bestimmen und hängt jedes Jahr aufs Neue von der einzigartigen Kombination von Sonne, Regen, Wind und Temperatur ab. Auch im Anza-Borrego Desert State Park kann der Zeitpunkt der Blüte von Echinocereus engelmannii stark variieren. Mit hoher Wahrscheinlichkeit ist jedoch der Zeitraum von Mitte März bis Mitte April für einen Besuch mit blühenden Pflanzen am besten geeignet. Echinocereus engelmannii ist im Park relativ weit verbreitet und lässt sich bereits vom Auto aus leicht erkennen. Um die Pflanzen natürlich in Ruhe fotografieren zu können und die vielen Schönheiten des Parks genießen zu können empfehlen sich kleine oder auch ausgedehnte Wanderungen auf den zahlreichen vorhandenen Trails. Der Park bietet in Höhenlagen nahe dem Meerespiegel bis über 1800 m für jeden Reisezeitpunkt geeignete Gegenden. Im Sommer steigen die Temperaturen auf bis zu 40°C und im Winter ist in Höhenlagen durchaus mit Frösten zu rechnen. Echinocereus engelmannii erreichen in dieser Gegend Durchmesser von etwa 1 Meter bei Trieblängen von bis zu 40 cm. Die typischen purpurfarbenen Blütenkelche treten meist im oberen Drittel der Triebe auf. Hinsichtlich Bedornung herrschen überwiegend relativ helle bis strohfarbende Töne vor.

anza2 anza1 anza3 anza4 anza5

Barcode im Gewächshaus

Wie bereits im Bericht über Etiketten geschildert setzen wir seit vielen Jahren einen Barcode auf unseren Etiketten ein. Viele werden sich fragen wofür das ganze denn gut ist? Spielerei, Spinnerei oder steckt vielleicht doch einen tieferer Sinn dahinter? Wahrscheinlich von allem etwas. Grundsätzlich kann man uns schon in die Kategorie „Daten-Junkie“ einordnen. So wird in unserer Pflanzenverwaltung nicht nur der Name der Pflanze, die Herkunft und ein paar andere Daten verwaltet. Auch der Zeitpunkt der jährlichen Blüte, die Blütenfarbe, kurze Zusatzbeschreibungen und die Häufigkeit des Umtopfens werden registriert.

Um den Zeitaufwand für die Erhebung dieser Daten nun so gering wie möglich zu halten, gibt es verschiedene Möglichkeiten. Alternative 1: ein PC im Gewächshaus: unpraktisch, kein Platz, Witterungsbedingung nicht „ideal“, also nicht umsetzbar. Alternative 2: ein Notebook mit ins Gewächshaus nehmen: praktisch, mobil, aber damit durch das Gewächshaus zu rennen und mit schmutzigen Händen irgendwelche Sachen eintippen macht auch nicht wirklich Spaß. Zugegeben, wenn wir immer zu zweit wären, sicherlich eine Variante die man auch dauerhaft nutzen kann. Was aber wenn man schnell mal alleine was machen will? Alles aufschreiben und später eintippen ist zu zeitaufwendig und fehleranfällig. Was lag näher als sich einer Methode zu bedienen, die in der Logistik schon seit ewigen Zeiten Standard ist: Mobile Barcodeterminals.

Jeder der schon von DHL oder einem anderen Paketdienst eine Sendung erhalten hat kennt die kleinen und handlichen Terminals die meist für eine Unterschrift und das nachfolgende Track & Trace verwendet werden. Natürlich sind die Geräte extrem teuer, weil sie robust und für extreme Umgebungsbedingungen ausgelegt sind. Durch Glück konnten wir aus einer Konkursmasse ein entsprechendes Gerät für einen Spotpreis ersteigern, samt Ersatzakkus und Dokumentation, ausgestattet wie gewünscht mit einer WLAN Schnittstelle. Was wir vorher leider nicht ausreichend beleuchtet haben, war die Tatsache, dass die Geräte mit einem speziellen mobilen Windows Betriebssystem ausgeliefert werden, die ein Aufspielen unserer Datenbank nicht ermöglichten. Somit war es nicht machbar die Daten einfach auf das Gerät zu spielen und danach via WLAN wieder zurück auf den PC. Es musste also eine Schnittstelle her. Leider scheiterte auch diese Variante, da anscheinend kein Mensch sowas hat oder braucht und alle nur mit direktem Datenaustausch arbeiten und auf beiden Systemen die gleiche Profi-Software installiert haben. Für Kakteen gab es natürlich sowas nicht und wenn wäre es unbezahlbar gewesen. Nach wochenlangen Recherchen entschieden wir uns schließlich auch für das Terminal eine eigene Anwendung zu schreiben. Die dafür erforderliche Programmiersprache wurde im Selbststudium erlernt und schon wenige Wochen später ging die erste Beta-Testversion in Betrieb. Neben ein paar Anfangsschwierigkeiten mit der WLAN Verfügbarkeit, vorhandenen Sicherheitszertifikaten auf dem Gerät und kleineren Problemen im Handling hat sich aber inzwischen daraus eine stabile Anwendung entwickelt. Mittels iDocs (kleine standardisierte Textfiles) tauschen das Barcodeterminal und der im Wohnhaus laufende Server über das WLAN via Netzlaufwerke die Daten aus. So wird zum Beispiel beim Scannen der Pflanze lediglich die Pflanzennummer übermittelt und mit einem Steuercode die Art der angeforderten Daten klassifiziert. Der Datenbankserver prüft nun im Bruchteil einer Sekunde das Vorhandensein von neuen Anfragen, extrahiert die Daten aus der Datenbank und stellt dem Barcodeterminal ebenso strukturiert die Informationen im iDoc bereit. Über das Display im Terminal werden nun alle Daten entsprechend dargestellt. Mittels dieser Systematik können wir derzeit

  • Den Tag der Blüte einer Pflanze erfassen (wurde die schon einmal im laufenden Jahr registriert erfolgt kein Update der bisherigen Information)
  • Die Farbe der Blüte erfasst werden (Aufforderung erfolgt über Terminal wenn Blütenfarbe in der Datenbank noch nicht gepflegt wurde)
  • Das Umtopfen registriert werden (Scann der Pflanzennummer und der verwendeten Größe des Topfes) ohne sich jedes Mal die Hände waschen zu müssen
  • Pflanzen umgezogen werden (nicht lachen, aber in der Datenbank steht auch auf welchem Tisch oder in welchem Gewächshaus oder Frühbeet die Pflanze sich im Sommer und Winter befindet)
  • Pflanzenbeschreibung ergänzen und pflegen
  • Daten zu gleichartigen Pflanzen abgerufen werden (gleiche Herkunft, gleiche Art, gleiche Blütenfarbe, …)

Alles in allem war es ein relativ großer Einmalaufwand das System so aufzusetzen wie wir uns das vorgestellt hatten. Die Zeitersparnis bei der späteren Erfassung hat sicher jedoch inzwischen mehr als amortisiert. Wir können uns als daher heute als zufriedene „Daten-Junkies“ bezeichnen und uns weiterhin auch ausreichend um unsere Pflanzen kümmern.

Das Barcodeterminal

scanner

Beispiel einer Auswertung von Blühzeitpunkten fünf Pflanzen gleicher Herkunft

grafikblueten